Dem Leben trauen

„Das Leben im Kreuz“, so hat der Künstler Michael Willfort dieses Bild genannt.
In der Mitte ein Kreuz, umgeben von der grauen und trostlosen Schnittfläche eines Baumstumpfes.
Diese graue Fläche, sie scheint abgeschnitten vom Leben: von einem Leben, von dem noch die Jahresringe, die Maserung und Risse erzählen. Da war einmal ein Leben: voller Wachstum und Blüte, voller Wärme und Sonne, mit der Erfahrung des Durstes, des Im-Regen-Stehens, standhaft im Sturm. Da war einmal ein Leben. Jetzt ist es grau.

Und dann ist da ein Kreuz zu sehen. Es ist knallig bunt, lebendig und voller Freude! Die Farben übertünchen das Grau des Stumpfes, das vom Tod erzählt; sie ziehen mit starker Macht den Blick auf sich. Da ist ein Kreuz und es erzählt vom Leben. Von einem Leben, das stärker ist als der Tod.

In diesen Tagen kommt uns vielleicht Manches auch grau vor: keine direkten Kontakte, kein pulsierendes Leben in den Cafés und auf den Straßen, die Läden haben geschlossen. Es liegt eine merkwürdige Ruhe über unserer Welt, eine Ungewissheit, wie es weitergehen wird.

Unser Glaube sagt: Da ist ein Kreuz. Und es erzählt vom Leben! Von einem Leben, das stärker ist als der Tod!
Alfred Delp formuliert das so: „Wir dürfen dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt!“
Das bedeutet doch: wir sind nicht allein – nicht allein mit den Sorgen und all dem, was wir nicht in der Hand haben. Nicht allein mit dem, was uns zu groß für uns erscheint.

Manchmal tut es mir gut, das alles bei Gott lassen zu können, im Gebet darauf zu vertrauen, dass Gott mein Leben mit mir lebt. Und wenn ich keine eigenen Worte finde, dann nehme ich die von unserem Heiligen Bruder Klaus und bete:

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir!

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir!

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir!“


Ines Spitznagel, Pastoralreferentin