Entschleunigung

War es vor der Coronakrise nicht auch teilweise so, dass bei vielen der Alltag immer hektischer wurde und bei vielen Abläufen die Devise lautet: "Immer schneller, immer weiter, immer mehr!"

Jetzt sind wir seit 6 Wochen ausgebremst und total entschleunigt. Es gibt neuen Stress, aber es gibt auch schöne Momente, die ich bei Spaziergängen in meinem Wohnviertel beobachte oder bei Nachbarn im Garten: Da schauen Eltern lieber seelenruhig ihrer kleinen Tochter beim Buddeln im Garten zu, anstatt mit ihr von der Ballettstunde zum Geigenunterricht zu hetzen. Und mancher verbringt jetzt sein Wochenende mit Familien Wanderungen oder Radtouren, statt mit all den Events, die Reutlingen sonst so anbietet. Verzicht auf Quantität bringt in vielen Fällen einen Zuwachs an Lebensqualität. Wir machen in der Krise die Erfahrung: Weniger ist besser!

Unser Gehirn ist nicht dazu geschaffen, gleichzeitig mehrere unterschiedliche Dinge mit hoher Konzentration zu erledigen. Auf vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen, geht schief.

Genauso, wie die Natur im Winter ihre Ruhepause einlegt, braucht auch der Mensch seine regelmäßige Pause, um sich zu erholen und sein Leben gut zu organisieren. Da muss man bewusst Möglichkeiten beiseitelassen, die an sich gut sind, und sich auf das beschränken, was tatsächlich und auf Dauer glücklich macht. Das heißt zum Beispiel, dass man womöglich beim Essen nicht ans Smartphone geht und vor dem Schlafengehen eben nicht nochmals kurz auf Whats App die Nachrichten anschaut, dass man nicht alles was angeboten wird, auch noch mitnehmen muss. Der Verzicht auf der einen Ebene bedeutet Gewinn auf einer anderen Ebene.

Meditation bedeutet zunächst Verzicht. Man muss dafür Zeit und Energie investieren, die man auch anders nutzen könnte. Und während der Meditation erlebt man dann seinen jetzigen Zustand und sein tatsächliches Energieniveau deutlich und intensiv. Es ist die Stunde der Wahrheit, und diese Wahrheit ist oft unangenehm. Aber diese Wahrheit macht frei. Ehrlich währt am längsten. Es entsteht eine solide Basis für neues Glück.

Man sitzt ruhig und atmet ruhig, man lässt seine Sorgen und Wünsche auf sich beruhen und ist mit seinem Bewusstsein einfach nur ganz in der Gegenwart. Im Lauf der Zeit wird dann diese Gegenwart als volles, sattes Dasein erlebt, als Dasein Gottes, der immer schon gegenwärtig ist.


Gebet vor der Meditation

In diesem gegenwärtigen Augenblick, lasse ich alle meine Sorgen, Pläne und Ängste los.
Ich lege sie jetzt in Deine Hände, Herr.
Ich lockere den Griff, mit dem ich sie halte, und lasse sie Dir.
Für den Augenblick überlasse ich sie Dir ganz.
Ich warte auf Dich - erwartungsvoll.
Du kommst auf mich zu und ich lasse mich von Dir tragen.
Ich beginne die Reise nach innen.
Ich reise in mich hinein, zum innersten Kern meines Seins, wo Du wohnst.
An diesem tiefsten Punkt meines Wesens bist Du immer schon vor mir da,
Schaffst und belebst, stärkst ohne Unterlass meine ganze Person.

Zur Meditation stehen Ihnen 3 Audiodateien zur Verfügung: Die Meditation am 24.3.20 von mir, am 30.3.20 von Birgit Leineweber und am 7.4.20 von Stefan Steinert.


Gebet nach der Meditation

Und nun öffne ich meine Augen,
um Dich in der Welt der Dinge
und Menschen zu schauen.
Ich nehme die Verantwortung
für meine Zukunft wieder auf mich.
Ich nehme meine Pläne, meine Sorgen,
meine Ängste wieder auf.
Ich ergreife aufs Neue den Pflug.
Aber nun weiß ich, dass Deine Hand über der meinen liegt.
Mit neuer Kraft trete ich die Reise
nach außen wieder an, nicht mehr allein,
sondern mit meinem Schöpfer zusammen.             

Dag Hammarsköld

 

Cornelia Hosp