Eins in Jesus Christus

Weltweit scheint die Corona – Pandemie gesellschaftliche Gräben aufzureißen, am meisten in den USA. Jetzt kämpfen Afroamerikaner wie Latinos in den USA um ihre Gleichberechtigung. Sie fordern mit Respekt behandelt zu werden, was ihnen amerikanische Polizisten oft verwehren und sie misshandeln, bis hin zur Tötung. Leider ist der Fall von George Floyd kein Einzelfall. Insgesamt sind seit 2015: 1.220 Schwarze, 877 Latinos von Polizisten getötet worden. Washington Post, 27.5.2020

Doch es gibt auch die alltägliche Diskriminierung in Blicken, Gesten und Worten. In Deutschland, auch bei uns gibt es diesen Alltags – Rassismus. Mein Schwager ist Inder, in Malaysia geboren und von recht dunkler Hautfarbe. Zwanzig Jahre hat er in Deutschland gelebt und fast täglich unter diesem alltäglichen Rassismus in Stuttgart gelitten. Er hat in vielen „Kleinigkeiten“ zu spüren bekommen, dass er weniger respektvoll behandelt wurde als andere. Das hat ihn so verletzt, dass er nicht weiter in Deutschland leben wollte und vor 21 Jahren zurück in seine Heimat Malaysia gegangen ist.

Für jeden, der die Botschaft Jesus sich zu Herzen nimmt, ist Rassismus und jede Form der Diskriminierung unerträglich. Das gesellschaftlich radikal Neue von Christus seiner Botschaft war in der Antike die Gleichheit aller Menschen, die Würde jedes einzelnen Menschen vor Gott aufgrund der Gottebenbildlichkeit. Jeder Mensch ist ein Kind Gottes.

Das war revolutionär in Rom, in Korinth und Antiochia, in Städten, wo es von Sklaven nur so wimmelte. In allen entstehenden christlichen Gemeinden waren alle Getauften gleichberechtigt: egal ob jemand dunkelhäutig war, wie Menschen, die aus Nubien kamen oder hellhäutig wie die Römer, egal ob jemand ein freier römische Bürger war oder ein Sklave, die als Besitz des Herren wie eine Sache behandelt wurden und keinerlei Rechte hatten, keinerlei menschliche Würde. Paulus weist ausdrücklich darauf hin in einem Brief an die Galater:

„Denn alle seid ihr durch den Glauben Söhne und Töchter Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ Galater 3,26-28

Wir Christen sind berufen dort, wo wir mit alltäglicher Diskriminierung von Farbigen, Ausländer, Geflüchteten oder Muslimen im öffentlichen Bereich konfrontiert sind, ob im Zug, Bus, auf der Straße oder bei der Arbeit, mit Zivilcourage dagegen einzuschreiten. Wir sind berufen für die Würde jedes einzelnen Menschen einzutreten, auch und gerade im Alltag. Insofern ist die Corona – Pandemie auch eine Chance für mehr Toleranz und Frieden zwischen den Menschen.         

Cornelia Hosp