ein kleiner roter luftballon

eine holzkiste
dreißig auf vierzig zentimeter
sterne auf blauem grund
ein regenbogen
und die handabdrücke
der eltern und
des kleinen Bruders

carla

im siebten monat
tot zur welt gekommen
bei den sternenkindern
begraben
eine hoffnung durchkreuzt
ein leben
heimgeholt von gott

und die frage nach dem warum
nach dem wieso
und es gibt
keine antwort
und der himmel hängt tief
und es ist kalt
und die welt ist grau

die eltern bleiben am grab
allein zurück
schwach leuchtet die kerze
der kleine sarg ist eingesenkt
sie haben nur noch sich selber
nehmen sich in den arm
und ein luftballon wiegt sich im Wind

und plötzlich
steigt der luftballon
in die nebel hinein

ein rotes herz
im grau des himmels
fliegt

der unendlichkeit
entgegen

heimgegangen

(Andrea Schwarz)

Karfreitag – das ist der Tag,

an dem die Frage nach dem „Warum“, nach dem „Wieso“ im Mittelpunkt unseres Glaubens steht. Jesus selbst stellt am Kreuz diese Frage: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34)

Es gibt den Karfreitag im Leben von jedem Einzelnen. Das ist der Tag, an dem in meinem Leben die Lichter ausgehen, es dunkel wird um mich herum, die Nägel des Leidens schmerzhaft in mich hineingeschlagen werden.

Es mag nicht gerade der 10. April sein – und es muss nicht immer gleich eine Kreuzigung sein – der Karfreitag hat viele Gesichter, viele Geschichten – und ist selten auf einen Tag begrenzt.

Auch im Leben Jesu gibt es einen Karfreitag – und in der Liturgie unserer Kirche. Das hat seinen Grund.

Unser Gott bewahrt uns nicht vor den Karfreitagen in unserem Leben – aber er teilt sie mit uns. Jesus Christus solidarisiert sich am Kreuz mit uns, mit mir – er nimmt meinen Karfreitag mit auf seine Schultern, er lässt mich nicht alleine im Dreck stecken. Sondern er begibt sich selbst in all diese Dunkelheiten, die Schmerzen, die Angst mit hinein – und teilt sie mit mir!

Er kennt all meine Einsamkeiten, meine Ängste, meine Ohnmacht! Weil er all das am eigenen Leib erfahren hat, weil er weiß, wie sich das anfühlt. Er kennt die Tränen, die Gottverlassenheit. Ja, er kann uns diese Dunkelheiten nicht nehmen, aber er nimmt das tiefste Dunkel auf sich, um uns nahe zu sein.

Genau deshalb ist der Karfreitag auch ein Feiertag. Wir feiern nicht das Sterben irgendeines Menschen, der ans Kreuz geschlagen wird. Sondern wir feiern, dass Gott uns so sehr liebt, dass er selbst für uns an das Kreuz geht und so in all unsere Dunkelheiten hineinkommt.

Heute bringen wir alle miteinander diese Erfahrung in eine Form, geben ihr einen Ausdruck – zuhause, im Gebet, in Gedanken an das Leiden und Sterben Jesu. Die Erfahrung, dass Gott das Leid der Menschen nicht wegnimmt, nicht wegnehmen kann, aber dass er mittendrin ist. Das ist es, was wir an Karfreitag feiern. Und so können wir heute beten:

 

Jesus Christus,

ich stehe in deiner Gnade,
nicht in deiner Schuld.
Ich stehe in deiner Güte,
nicht vor deinem Zorn.
Ich stehe in deinem Erbarmen,
nicht vor deinem Gericht.
Ich stehe in deiner Verheißung,
nicht im sinnlosen Nichts.
Ich vertraue auf deine Treue,
die keine Launen kennt.
Ich weiß um deine Liebe,
die mich nie fallen lässt.
Ich lebe von deinem Wort,
das mir die Wahrheit zeigt.
Ich brauche deinen Segen
für meinen nächsten Schritt.

Amen.

(Petra Stadtfeld)

 

Ihre Ines Spitznagel