Fastenzeit

Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 2 Korinther 5,20

Herr, hilf uns umzukehren,
dass unsre schöne Erde
ein Haus für alle werde
und wir sie nicht zerstören.
Herr, hilf uns umzukehren.

Herr, schenke uns Ideen,
dass wir nach vorne schauen,
bewahren, pflanzen, bauen
und neue Wege gehen.
Herr, schenke uns Ideen.

Herr, wehre Angst und Zagen,
dass wir nicht resignieren.
Lass deinen Geist uns spüren
und so den Aufbruch wagen.
Herr, wehre Angst und Zagen.

Herr, lenke Herz und Sinne,
dass Worte Taten werden
und jeder hier auf Erden
mit frohem Mut beginne.
Herr, lenke Herz und Sinne.

Herr, gib uns Kraft zum Handeln,
dass wir einander lieben,
statt Krieg den Frieden üben
und so die Welt verwandeln.
Herr, gib uns Kraft zum Handeln.

Herr, hilf uns umzukehren,
dass unsre schöne Erde
ein grüner Garten werde,
indem wir auf dich hören.
Herr, hilf uns umzukehren.

Arnd Herrmann


Geistliche Impulse zur Fastenzeit


Am Aschermittwoch beginnen wir die heiligen vierzig Tage (lat. »Quadragesima«) der österlichen Bußzeit. Sie dienen der Vorbereitung auf die Feier des Leidens, des Sterbens, des Todes und der Auferstehung des Herrn an Ostern.

40 Jahre dauerte die Wüstenwanderung des Volkes Israel, 40 Tag fasteten Mose auf dem Berg Sinai und der Prophet Elija auf dem Weg zum Horeb und schließlich Jesus nach seiner Taufe. In der Alten Kirche bereiteten sich in dieser Zeit die Katechumenen intensiv auf ihre Taufe in der Osternacht vor, während die bereits Getauften sich ihrer eigenen Taufwürde neu bewusst wurden und sie im Hören von Gottes Wort und im Gebet vertieften. Menschen, die durch eine schwere Sünde ihre Gemeinschaft mit Gott und ihren Brüdern und Schwestern verletzt hatten, bereiteten sich durch strenges Fasten auf die Versöhnung vor.

Das Auflegen der Asche zu Beginn der österlichen Bußzeit geht auf die Aufnahme der Sünder in den Stand der Büßer zurück. In Gallien wurden sie in Anlehnung an die Vertreibung der Stammeltern aus dem Paradies aus der Kirche getrieben, mussten ein Bußgewand anlegen und wurden mit Asche bestreut. Während diese öffentliche Buße vor der Jahrtausendwende aufgegeben wurde, blieb der Asche-Ritus für alle Gläubigen bis heute erhalten. Mit ihm beginnen sie die Fastenzeit als eine Zeit nicht nur leiblichen Fastens, sondern auch der geistlichen Umkehr, der erneuernden Hinwendung zu Gott. So wird die österliche Bußzeit zu den »großen Jahresexerzitien des Volkes Gottes« (Balthasar Fischer).

Das Fastenzeitprogramm, wie es in der Benediktregel niedergelegt ist, gibt dem Beten und Lesen den Vorrang vor dem leiblichen Fasten und unterstreicht das freudige Klima christlichen Fastens als intensive Pflege der Beziehung zu Gott.
»Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten ( …). So möge jeder über das ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen und in der Freude des Heiligen Geistes Gott etwas darbringen (…) und mit geistlicher Sehnsucht und Freude das heilige Osterfest erwarten.